Sollten Sie einen Notfall haben und auf diesem Weg Rat suchen, bitten wir Sie im Text nach unten zu scrollen und die Erste-Hilfe-Massnahmen zu lesen!
Wenn wir die heissen Tage in luftigen Kleidern, kurzen Hosen und mit Sonnenhüten ausgestattet geniessen, sollten wir auch an das Wohlbefinden unserer Vierbeiner denken. Sehr hohe Temperaturen können für sie ein Problem werden, da ihr Wärmeabgabevermögen etwas anders ist als das unsere.
Alle Individuen können Wärme abgeben, indem sie Wärme in die Umgebung abstrahlen, Wärme an kühlere Luft, die einen umströmt, abgeben, Wärme auf kühlere Oberflächen übertragen oder Flüssigkeiten verdampfen. Hunde und Katzen geben 70% der Körperwärme durch Abstrahlen oder über die Luft ab. Dabei werden die Blutgefässe der Haut weitgestellt, dass viel Blut in die äusseren Hautschichten fliessen kann und so die Wärme an die Umgebung abgegeben wird. An extrem heissen Tagen mit hoher Aussentemperatur funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr, und Tiere sind auf andere Möglichkeiten angewiesen. Sie suchen kühle, schattige Plätze auf, legen sich auf den Boden oder Hunde stehen gern im Wasser.
Im Gegensatz zu uns Menschen haben Hunde und Katzen kaum Schweissdrüsen und können Flüssigkeit nur in Form von Hecheln verdampfen, was einen gesunden Atemtrakt voraussetzt.
Wenn man diese Mechanismen der Wärmeregulation versteht, kann man Tiere mit einem erhöhten Risiko für einen Hitzestau, im schlimmsten Fall einen Hitzeschlag, erkennen.
Besonders gefährdete Tiere sind:
- übergewichtige Tiere (->Fett verhindert die effiziente Wärmeabgabe über die Haut)
- Tiere mit einem dunklen dichten und langen Fell
- Rassen mit kurzer Nase und engen Nasenöffnungen wie Mops, verschiedene Bulldoggen, Cavalier King Charles Spaniel, Pekinesen, Boxer, etc., Perser Katzen, British und Exotic Shorthair, etc. (-> diese Tiere haben einen sehr begrenzten Nasen- und Rachenraum, der wenig Luftströmung zulässt und auch eine kleinere Fläche Schleimhaut bietet, über die Feuchtigkeit verdampfen kann)
- Tiere mit Atemwegserkrankungen wie Kehlkopflähmung oder Luftröhrenkollaps
Andere Risiken sind:
- hohe Aussentemperatur
- körperliche Anstrengung
- kein Zugang zu Wasser
- sehr hohe Luftfeuchtigkeit
Die häufigste Ursache für eine Überhitzung ist noch immer der Aufenthalt im Auto! Es konnte gezeigt werden, dass schon nach nicht einmal 40 Minuten in einem hellen Fahrzeug mit offenen Fenstern die Temperatur 62°C erreicht werden kann. Der TCS schreibt in seiner Ausgabe 6/2015 gar von „Hitzefalle“ Auto. Bei Aussentemperaturen von 25°C wird spätestens nach 45 Minuten die kritische Innenraumtemperatur von 40 °C gemessen. Aber die Erwärmung kann auch je nach Stellplatz und Bedingungen schneller fortschreiten. Gefährlich werden dann auch Armaturen und Sitze, die bis auf 80°C bzw. 55 °C erwärmen und zu direkten Verbrennungen führen können.
Was passiert, wenn ein Tier überhitzt?
Am Anfang werden Blutgefässe in der Haut weitgestellt (Dilatation) und an den inneren Organen enggestellt (Konstriktion), und die Herzleistung wird erhöht, um die Durchblutung zu gewährleisten.
Sollte die Temperatur weiter auf über 40°C steigen oder langanhaltend hoch sein, kann es zu Schock und lebensgefährlichen Zuständen kommen. Innere Organe wie Magen-Darmtrakt, Nieren, Hirn, Herz, Leber und Muskeln nehmen durch die Minderdurchblutung und den Sauerstoffmangel einen Schaden. Aus dem Magen-Darmtrakt können Bakterien in den Kreislauf treten und zu einer allgemeinen Blutvergiftung führen. Ab Körpertemperaturen von 40 °C können Zellen auch direkt durch die Wärme und durch Toxine geschädigt werden. So kann es auch zu fatalen Gerinnungsstörungen kommen, die Tiere können Anfälle oder Koma zeigen, und die Lunge kann ihre Funktion verlieren.
Welche Symptome zeigt ein Tier mit Überhitzung?
- Körpertemperatur 40°C und mehr
- Unruhe, Angst, Schwanken und Schlappheit
- anfangs gerötete, später auch blasse und blaue Schleimhäute
- hohe Herzfrequenz, Atemprobleme
- Koma oder Anfälle
- Erbrechen und/oder Durchfall
Welche Erste-Hilfe-Massnahmen können Sie einleiten?
- Ruhe bewahren
- Tier in kühle Umgebung bringen
- Gliedmassen mit kühlem, nicht eiskaltem Wasser benetzen und kühle feuchte Tücher über das Tier legen
- wenn ansprechbar, Wasser anbieten
- so schnell wie möglich zum Tierarzt gehen
Was werden wir als Tierärzte tun?
- Das Tier kommt in einen klimatisierten Raum
- Es wird mit Sauerstoff versorgt
- Wir stabilisieren den Kreislauf mit Flüssigkeit als Tropf (Infusionen), sorgen so für die Wiederherstellung des Sauerstoffaustausches
- je nach Schweregrad sind Antibiotikagabe und weitere Massnahmen nötig
Einige Tipps, wie man der Überhitzung vorbeugen kann:
- an heissen Tagen am Morgen und Abend, wenn es kühler ist, spazieren
- keine grosse körperliche Anstrengung in der prallen Hitze
- Tiere nie allein im Auto lassen
- auf längeren Fahrten Klimaanlage laufen lassen oder Fenster öffnen, viele Pausen einlegen
- viel frisches Wasser anbieten, Bademöglichkeiten anbieten
- dichte dunkle Haare scheren
- Schattenplätze einrichten
Wir wünschen Ihnen einen schönen, sorgenfreien Sommer.
Ihre Tierarztpraxis im blauen Haus, Burgdorf